Bioenergiedörfer Krebeck und Wollbrandshausen • Tag der offenen Tür in der Heizzentrale Krebeck

KREBECK (gm). „Die Krise der Etablierten wird zur Chance der Neuen“ - ein Zitat des Unternehmensberaters Tom Sommerlatte stellt das Motto der Genossenschaft Bioenergie Wollbrandshausen- Krebeck e.G.“ dar. Mit großem Stolz präsentierte sie gestern bei einem Tag der offenen Tür die Heizzentrale Krebeck. „David gegen Goliath“ - und die Untereichsfelder nahmen den Kampf gegen die Rohstoffpreisentwicklung auf. Bei dem Acht-Millionen-Projekt - von der KfW gefördert, mit Fördermitteln der Europäischen Union und den Landkreises Göttingen und eines Europäischen Fonds bezuschusst - konnte ein Teil Kosten gedeckt werden. Ein Großteil jedoch wurde durch die Mitglieder selbst finanziert. Durch die Zusammenarbeit beider Orte ließen sich zusätzliche Synergieeffekte erzielen.

Der erste  Spatenstich erfolgte im Juli 2009. Durch den langen Winter ruhte der Ausbau, jedoch rechnet der Krebecker Vorstandsvorsitzende Karl Heine nun mit einer Inbetriebnahme der gesamten Anlage in einigen Wochen. Die Bioenergiedörfer erwarten sich langfristig einen Aufschwung für die Region.

Zusammen von Synergien profitieren

KREBECK (gm). Gestern organisierte die „Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G.“ einen Tag der offenen Tür in der Heizzentrale Krebeck der  genossenschaftlichen Biogasanlage.

Das Verfahren begann bereits 2006: 33 Dörfer bewarben sich darum, gefördertes Bioenergiedorf nach dem Vorbild Jühndeszu werden. Wie in den Casting- Shows im Fernsehen blieben nur wenige im Rennen. Krebecks Bürgermeister Josef Sorhage und Wollbrandshausens Bürgermeister Georg Freiberg hatten unabhängig dieselbe Idee. Doch die Inbetriebnahme der Biogasanlage - mit einer Einspeisung von bis zu zehn Millionen Kilowatt in das Netz des regionalen Stromversorgers und zur örtlichen Nahwärmenutzung - bot große Synergieeffekte beim Zusammenwirken der Nachbarorte. Gehäckselter Mais bildet die Hauptgrundlage: In Mengen transportierten die Landwirte im Herbst diesen zur Silage in die Biogasanlage. Der Mais wird in einem Umkreis von rund sieben Kilometern auf einer Fläche von 500 bis 600 Hektar angebaut. Sechs Meter Höhe und 25 Meter im Durchmesser misst der bereits fertiggestellte Hauptfermenter der Anlage. Bis es soweit ist, zeigte der Vorstandsvorsitzende, Karl Heine, den Gästen den Ablauf der Wärmegewinnung: Das Konzept basiere auf der Nutzung von Wärme, die im Rahmen der Stromproduktion mittels Blockheizkraftwerken entstehe. Diese wiederum werden mit Biogas betrieben und sind an den jeweiligen Heizzentralen positioniert.

Rund zehn Kilometer Wärmetrasse verbinden die bislang 260 teilnehmenden Haushalte. Diese besitzen Wärmetauscher, die die benötigte Wärmemenge für  Heizung und Brauchwasser entnehmen. Zwei 100.000Liter fassende Wärmepufferspeicher kompensieren auftretende Tages- Spitzenlasten. Die komplette Anlage
wird aus fünf Blockheizkraftwerken, zwei Gärstrecken, drei Gärrestelagern, einer Güllevorgrube, einem Behälter für Sickersaft und vier Fahrsilos mit etwa 8.000  Quadratmetern Silofläche umfassen.

Zwar hatten die Bürgermeister kräftig um Mitstreiter geworben. Steigende Rohstoffpreise schienen das Vorhaben jedoch zu verhindern. Beharrlich wirkte Stephan
Hörschelmann auf die Überwindung der Stagnation hin. Mit Erfolg, wie sich im Stolz der Genossenschaftsmitglieder ablesen lässt. An dem Projekt profitieren mehrere Seiten: eine „Heizungsanlage auf Lebenszeit“ hilft Wartungs- und Schornsteinfegerkosten und Platz für eine Ölheizung zu sparen, stellt eine stärkere Vernetzung der Potenziale beider Orte dar und erhöht die Attraktivität. Während im fernen Berlin um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken gestritten wird, favorisieren die (CDU-) Bürgermeister eine gewonnene Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Schöpfung bewahren, den nächsten Generationen eine wesentliche Lastenerleichterung hinterlassen. „Von der Vision zur Realität“: Die Genossenschaft aus Krebeck und Wollbrandshausen bringt somit Ökologie und Ökonomie zusammen, erhöht die Attraktivität der Orte und zeigt, dass sich durch eine Zusammenarbeit oft viel mehr erreichen lässt. Mehr Informationen unter www.biowk.de