Ersatz für Tante Emma

Das Sterben der Tante-Emma-Läden begann bereits in den 60-er Jahren. Inzwischen gibt es auf dem Lande vielerorts Gegenbewegungen in Form von Öko-, Dorf- und Hofläden. Bei einem Nahversorgungstag des Regionalverbandes Südniedersachsen sind jetzt im Krebecker Bürgerhaus Konzepte vorgestellt worden, die bürgerschaftliches Engagement, Marktwirtschaft und die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft verbinden.

 

Statt sozialromantisch verklärtem Schwelgen in Erinnerungen an die gute alte Zeit wollte der Veranstalter über Einkaufsgewohnheiten und Lebensqualität im ländlichen Raum diskutieren. Die Beteiligung übertraf die Erwartungen und zeigte, wie groß das Interesse an dem Thema ist: Statt der angemeldeten 80 kamen 120 Teilnehmer aus ganz Südniedersachsen – von Bioladen-Betreibern über Kommunalpolitiker bis zu Vertretern von Landwirtschafts- sowie Industrie- und Handelskammer.

Neben allgemeinen Referaten zur Entwicklung der Nahversorgung wurden konkrete Beispiele wie der genossenschafliche Dorfladen Roringen, rollende Supermärkte oder der Naturkostladen in Diemarden vorgestellt. In Workshops erarbeiteten die Teilnehmer eine Reihe allgemeiner Thesen und Forderungen, die in der „Krebecker Erklärung“ zur Sicherung der Daseinsfürsorge auf dem Land mündeten.

Neben einem externen Anschub brauche man engagierte Bürger, die mit Herzblut ein Ziel verfolgen, heißt es in der Erklärung. Sensibilisierung der Bevölkerung, Beteiligungsräume, Vernetzung, Kontinuität, Nachfrage und wirtschaftliche Tragfähigkeit sind weitere Schlagwörter: „Nahversorgung wird es nur dort geben, wo die Angebote angenommen werden.“ Förderprogramme müssten entbürokratisiert, mehr auf den ländlichen Raum zugeschnitten, aber auch flexibilisiert und vom engen Bezug zu landwirtschaftlichen Betrieben und Gebäuden gelöst, Städtebauförderung mit Dorferneuerung verzahnt, Jugendliche eingebunden werden.

Von Kuno Mahnkopf