Förderbescheide für neun Eichsfelder Firmen / Landrat setzt auf Bioenergie und Wasserkraft

VON KUNO MAHNKOPF

Krebeck. Förderbescheide über rund 470000 Euro für das zweite Halbjahr 2009 hat Landrat Reinhard Schermann (CDU) im Krebecker Bürgerhaus an 19 kleine und mittlere Unternehmen aus dem Kreis Göttingen übergeben. Die so genannten KMU-Mittel für Investitionen zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen werden je zur Hälfte vom Kreis und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.

Von den 19 Unternehmen wurden in der zweiten Jahreshälfte 2,7 Millionen Euro investiert, laut WRG (Wirtschaftsförderung Region Göttingen) des Landkreises dadurch 19,5 Arbeits- und Ausbildungsplätze  geschaffen. Die Fördersummen reichen von wenigen tausend Euro bis zu fünf- und sechsstelligen Beträgen, die Empfänger vom kleinen Hausservice bis zur großen Baufirma. Sechs der Firmen, die jetzt ihre Zuwendungsbescheide erhalten haben, kommen aus Duderstadt, drei aus der Samtgemeinde Gieboldehausen.

Anhaltende Nachfrage

Die Übergabe der Förderbescheide erfolgte in Krebeck. Nicht, weil die Gemeinde den geografischen Mittelpunkt Deutschlands für sich beansprucht, sondern weil die mit Abstand höchste Fördersumme – 146 000 Euro – in das Bioenergieprojekt Krebeck/Wollbrandshausen fließt. Der Startschuss für das KMU–Förderprogramm im Landkreis Göttingen ist vor zwei Jahren gefallen. „Die anhaltende Nachfrage zeigt, dass Unternehmer auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Bereitschaft zu Investitionen zeigen“, freut sich WRG-Geschäftsführer Detlev Barth.

Arbeitsplätze geschaffen

Allein im laufenden Jahr seien fast 1,15 Millionen Euro Fördermittel gebunden, damit Investitionen in Höhe von rund 5,9 Millionen Euro angeschoben, 312 Arbeitsplätze langfristig gesichert und 110 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, betonte Schermann im Bürgerhaus. Der Mittelstand bilde das Rückgrat der Wirtschaft und stelle etwas 80 Prozent der Arbeitsplätze. Allein im Landkreis gebe es rund 5000 kleine und mittlere Firmen. Ihnen biete der Kreis vielfältige Unterstützung an, sagte Schermann und listete Instrumente und Erfolge auf – vom Innovationspreis über Netzwerkbildung und schnelle Genehmigungsverfahren bis eben zu den Bioenergiedörfern. Als Vision beschwor der Landrat die „Energieautarkie unserer Region“. Neben der Bioenergie nannte Schermann in diesem  Zusammenhang auch Initiativen wie die des Nobelpreisträgers Erwin Neher zur Modernisierung der Wasserkraftanlage an der Bilshäuser Rhumemühle. Die WRG habe mit einer kreisweiten Bestandsaufnahme der vorhandenen Anlagen begonnen. Ziel sei die Steigerung der Stromgewinnung aus Wasserkraftanlagen. Es sei auch daran gedacht, neue Wasserkraftanlagen zu konzipieren.

Spitzenförderung für Großprojekt Biogasanlage

vorderFertigstellung

Steht vor der Fertigstellung: die Bioenergie-Anlage am Krebecker Kreuz. Blank

Krebeck (ku). Einen Spitzenplatz bei den aktuell geförderten Wirtschaftsprojekten nimmt die Bioenergie-Genossenschaft Krebeck/Wollbrandshausen ein. Herzstück ist die zentral zwischen beiden Orten an der Bundesstraße 27 gelegene Biogasanlage, die vor der Fertigstellung steht. Ein Teilbetrieb sei bereits möglich, in den  nächsten Wochen werde mit der Einspeisung ins Strom- und Wärmenetz begonnen, teilt Geschäftsführer Karl Heine mit. Die Anlage auf dem 30 000 Quadratmeter großen Areal am Krebecker Kreuz hat eine Leistung von 1,35 Megawatt. Neben zwei Hauptfermentern mit sechs Metern Höhe und 25 Meter Durchmesser samt Gasspeicher wurden zwei Nachgärungsfermenter und ein Endlager für die als Dünger dienende Gärreste errichtet, in Wollbrandshausen und Krebeck zudem Blockkraftwerke. In die beiden Orte wurden neun Leitungskilometer für die Wärmetrasse verlegt.

Nach Machbarkeitsstudien sei im Oktober 2008 mit 105 Mitgliedern die Genossenschaft gestartet, erinnert Heine Mit steigenden Mitgliederzahlen sei Ende des Jahres die Wirtschaftlichkeitsgrenze erreicht worden.

250 Mitglieder gewonnen

Der Planungsphase mit Arbeitsgruppen folgte im Juni dieses Jahres der Baubeginn. Inzwischen habe die Genossenschaft 250 Mitglieder, berichtet Heine. Vorerst  200 von 260 Objekten könnten ans Wärmenetz angeschlossen werden, 140 Gebäude hätten bereits einen Hausanschluss. Insgesamt seien 400 Anschlüsse möglich. In die 200 Häuser würden jährlich sechs Millionen Kilowattstunden Wärme gebracht, Stromleistung in gleicher Höhe ins Netz eingespeist. Als angestrebten Jahresumsatz nennt Heine zwei Millionen Euro. 30 Geschäftspartner aus der Landwirtschaft würden Biomasse liefern, mindestens vier Mitarbeiter für die Biogasanlage eingestellt.