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Wirkungsvolle Strategie der Fruchtfolge oder: 
Was man in Baden Württemberg gegen den Maiswurzelbohrer unternimmt.

Ende August waren mein Mann und ich Baden Württemberg, genauer: im Raum meiner Heimat Südbaden (Lahr/Freiburg). Natürlich haben wir auch dort - wie immer - Zeitung gelesen (wir sind ja nicht neugierig, aber wir wollen alles wissen). Dabei ist uns ein interessanter Artikel im „Reblandkurier“ vom 29. August 2012 mit dem Titel aufgefallen, von dem ich hier erzählen will:

„Weniger Käfer als 2011 – Minister Bonde: 
Strategie der Fruchtfolge zeigt in der Rheinebene erste Wirkung“

Im Jahr 2008 war es in der Rheinebene zu einem großen Bienensterben mit 12.000 betroffenen Bienenvölkern gekommen, das durch das gegen den Maiswurzelbohrer wirksame Beizmittel Clothianidin ausgelöst worden ist (inzwischen für die Maiswurzelbohrer-Bekämpfung nicht mehr zugelassen). Dieses Beizmittel hatte sich auch auf die Blüten gesetzt und hierdurch die Bienen vergiftet.
Die EU hatte damals eine Quarantänezone mit strengen Fruchtfolgevorgaben zur wirksamen Eindämmung des wirtschaftlich bedeutendsten Maisschädlings erlassen, die heute noch gelten. Die Bekämpfungsstrategie basiert auf der Pflicht zum Fruchtwechsel, um dem Maiswurzelbohrer die Lebensgrundlage zu entziehen. Die Strategie gibt vor, dass maximal 2 x Mais in drei Jahren angebaut werden darf.

„Wir können und wollen uns nicht auf die Chemie verlassen. Damit sind wir schon einmal in Teufels Küche gekommen“, so stellt Minister Bonde in dem Artikel fest.

In diesem Jahr wurde innerhalb der betroffenen Gebiete nun erstmalig ein Rückgang des Maiswurzelbohrers festgestellt und rund 600 Käfer weniger gezählt als im Vorjahr (3.900 Käfer). Dies wird als Erfolg der konsequent durchgehaltenen und von den Landwirten in der Vergangenheit mustergültig umgesetzten Strategie gesehen.

Allerdings halten sich aktuell nicht mehr alle Landwirte an die Vorgaben und gefährden dadurch auch ihre vom Maiswurzelbohrer bisher verschont gebliebenen Nachbarn.

Eine wieder verstärkte Ausbreitung des Quarantäne-Schädlings hätte außerdem eine erneute Bedrohung der Saatmaisproduktion der Region Südbaden zur Folge. Daher wird das Ministerium gegen derartige Verstöße konsequent vorgehen, denn die einzige sichere und praktikable Möglichkeit zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers sei die Unterbrechung des Maisanbaus durch die Fruchtfolge. Findet die Larve im Folgejahr nach der Eiablage keine Wirtspflanze, stirbt sie ab.

Wer den Artikel selber lesen will, hier ist der Link zur pdf-Datei aus dem Archiv des „Reblankurier“ Ausgabe Breisach, bitte bis Seite 15 blättern!
http://www.wzo-verlags-gmbh.de/uploads/media/wzs_700_hp_29.08.pdf


Maiswurzelbohrer

Der Käfer als solcher verursacht nicht die Hauptschäden, diese werden durch die Larven des Maiswurzelbohrers verursacht. Sie fressen zunächst an den Wurzeln der jungen Maispflanzen und dringen im fortgeschrittenen Stadium in die kräftigen Wurzeln der Maispflanze ein. Die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen wird erheblich gestört und in der Folge knicken die Maispflanzen um. Bei starkem Befall kann der Ernteverlust bis 80 Prozent betragen.

Das Informationsportal der Agrarentomolgie der Universität Göttingen, das auch die folgende Grafik des Lebenszyclus des Maiswurzelbohrers enthält, bietet umfassendes Wissen in komprimierter Form und zahlreiche Links zum Weiterlesen:

Bildquelle: Lebenszyklus des Westlichen Maiswurzelbohrers, Georg August Universität Göttingen, Abteilung Agrarentomologie/
Prof. Dr. Stefan Vidal Bild: http://www.agrarentomologie.uni-goettingen.de/index.php?id=2
Startseite Infoportal: http://www.agrarentomologie.uni-goettingen.de/index.php?id=9&L=0


Meiner Meinung nach wird das Thema in Südbaden in der Zukunft noch wichtiger, denn wir haben beim Autofahren in der Rheinebene rechts und links geschaut (wir sind ja nicht neugierig, aber ... ja genau!) und festgestellt, dass neben dem bisher in dieser Region traditionell üblichen Anbau von Saatmais wohl auch zunehmend Energiemais angebaut wird. Natürlich finden sich daneben die typischen Spargel-, Getreide-, Gemüse- und Tabakfelder und so manches andere, das in der warmen Region gut wächst (z.B. Artischocken oder Hirse (als Energiepflanze)).

Der prozentuale Anteil an Maisflächen 
(hier Saat- und Energiemais zusammengenommen, denn dem Maiswurzelbohrer ist das egal)
liegt in Baden-Württemberg aktuell (2012) bei etwa 
23,5 %.

Quelle: „Statistische Berichte Baden Württemberg/ Agrarwirtschaft“, Artikel-Nr. 3331 12001 vom 18.07.2012, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart.
Quellenlink: http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/Statistische_Berichte/3331_12001.pdf
© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2010. Vervielfältigung und Verbreitung, auch auszugsweise, mit Quellenangabe gestattet.).

In Niedersachsen nehmen die Maisflächen in 2012 
das Ackerland zu etwa 1/3 in Beschlag und machen etwa 
1/4 der gesamten landwirtschaftlichen Flächen aus.

Quelle: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/betriebumwelt/nav/355/article/19589.html

 

Zum Vergleich:
Im Einzugsbereich unserer Biogasanlage sind es ca. 
10 %.

Im Artikel „Ernte: Rüben und Mais sind jetzt an der Reihe“ im Eichsfelder Tageblatt vom 21.09.2012, Seite 9, verweisen Kreislandwirt sowie Landvolkvorsitzender  Hubert Kellner und Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner auf :

„eine jüngste Erhebung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, 
wonach im Landkreis Göttingen 9,8 % der Ackerfläche für den Anbau 
von Silo- und Körnermais genutzt wird.“

Achim Hübner ist auch gegen eine Vermaisung, entsprechend den Regionen Vechta und Cloppenburg (Weser-Ems), wo auf bis zu 60-70 % der Ackerflächen Mais angebaut wird. Zitat: „ ... , das will ich nicht.“

Ja, auch der Maiswurzelbohrer hätte an so viel Mais seine helle Freude und würde sich mit Freuden vermehren, denke ich.

Sehr informativ – auch hinsichtlich der enormen Kosten bei Etablierung des Schädlings (bis zu 100 €/ha/Jahr) – ist das Infoblatt der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (siehe unten bei Anlagen!), welches rät:

Einhaltung der Fruchtfolge ist eine der besten Maßnahmen 
zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers

Quelle des Infoblattes: http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/psd/pdf/maiswurzelbohrer-infoblatt.pdf

Es ist nur eine Frage der Zeit – irgendwann wird sein Ausbreitungsgebiet auch Niedersachsen erreichen. Über die Maßnahmen bei Befall informiert folgender Link:

Leitlinie für Maßnahmen bei Befall durch den Maiswurzelbohrer
http://pflanzengesundheit.jki.bund.de/dokumente/upload/3ba4a_ll-diabvi.pdf

Folgender Link bietet eine interaktive Karte zum Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers in Deutschland sowie weiterführende Links zu entsprechenden Karten der Bundesländer Baden Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz an, die aktuell gehalten wird sowie eine zugehörige aktuelle Fundliste (Stand September 2012):

http://www.maiskomitee.de/web/public/Produktion.aspx/Pflanzengesundheit/Sch%C3%A4dlinge_Krankheiten/Westlicher_Maiswurzelbohrer

Ich finde die Strategie, den Maisanbeu ein- bis zweimal in drei Jahren auszusetzen bzw. nicht zwei Jahre hintereinander auf ein und derselben Fläche Mais anzubauen, auch als vorbeugende Maßnahme für eine nachhaltig erfolgreiche Maisproduktion der Region effektiv.

Dabei wird den Larven und dem Käfer auf natürliche Weise die Nahrung entzogen. Wegen mangelndem Wanderungsvermögen verhungern die Larven des Vorjahres nach dem Schlupf, da sie nicht die Wirtspflanzen vorfinden, welche sie zu ihrer Entwicklung benötigen. 
Einkeimblättrige Folgefrüchte, wie Getreide, können dem Käfer allerdings als Nahrung dienen. Deshalb sind zweikeimblättrige Fruchtfolgen vorzuziehen.

In Illinois (USA) hat man z.B. folgende Erfahrung gemacht: 
Von 1960 bis 1990 erwies sich in den USA der Fruchtfolgewechsel Mais-Soja als erfolgreich. Allerdings passte sich der Maiswurzelbohrer dort über die Jahrzehnte an die immer gleiche Fruchtfolge an: Die Weibchen legten ihre Eier auch in Sojafeldern ab und die Larven fanden  im Folgejahr Maispflanzen als Nahrungsquelle vor.

Natürlich gehört zum nachhaltigen Ernteerfolg grundsätzlich auch, dass man über den eigenen Tellerrand schaut und den langfristigen Gesamterfolg des Energiemaisanbaus in der Region, das gute Miteinander mit seinen Nachbarn und den ökologischen Sinn von vermeidbarem bzw. maßvollem Pestizideinsatz im Blick behält bzw. zusätzlich Maßnahmen unternimmt, die Regenerationskräfte des Bodens zu stärken.

Es grüßt Euch

Eure rasende Reporterin
awiso, 7.09.12

Interessierte der Kolpingsfamilie Mingerode besuchten 
die Biogasanlage der Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G. (BiWoK e.G.)

Morgens beim Frühstück lesen mein Mann und ich erst mal die Zeitung, damit wir informiert in den Tag gehen. Am Freitag, den 14.09.2012 las ich, dass die Kolpingsfamilie Mingerode unsere Anlage besichtigen würde. Na, da habe ich doch gleich mal den Akku meiner Kamera aufgeladen und war nachmittags vor Ort:

Ich fand sie vor den Vielfraßen, die die Hauptfermenter kontinuierlich über Förderschnecken mit Energierohstoffen füttern.


Die Mitglieder der Kolpingsfamilie Mingerode mit Claus Wiebusch von der BiWoK e.G. 
auf Besichtigungstour über das Gelände unserer Biogasanlage.

Claus Wiebusch erklärte den Prozess der Biogasgewinnung innerhalb der zwei Gärlinien der Anlage, der vom Haupt- über den Nachgärungsfermenter bis hin zu den Gärrestelagern abläuft sowie die Massenströme an Rohstoffen (Mais, Gülle usw.), Biogas und Gärresten.


Beeindruckend hoch, unser großes Silo kurz vor der Ernte 2012.


Während der erfahrene BiWoK e.G. Mitarbeiter alles zeigt und aktuelle Zahlen nennt, ...


... hofft unser Betriebshund geduldig, dass irgendeiner dieser vielen Menschen 
mit ihm Steinchen werfen spielt.


Das Herz der Anlage, die Schaltzentrale wird in Augenschein genommen.

Draußen wartete übrigens der Hund mit seinem Steinchen, das er extra zu einem Betonsockel hingetragen hatte, damit er es nicht unter den übrigen Steinchen verliert:


Nicht nur geduldiger, sondern auch ordentlicher Hund! Aber es ist alles Vergebens - 
diese Menschen interessieren sich nur für Bioenergie und lassen sich nicht ablenken.


Auf der Südseite der Biogasanlage zwischen den beiden Gärlinien wird 
das produzierte Biogas für den Transport durch die Mikrogasleitungen 
zu den Bioenergiedörfern  Wollbrandshausen und Krebeck vorbereitet.


Claus Wiebusch beantwortet geduldig und kompetent alle Fragen zum Prozess der Biogasgewinnung 
und der Wärmenutzung mittels dezentralen Heizanlagen und Nahwärmenetzen 
in den angeschlossenen Bioenergiedörfern.


Zwischen den Haupt- und Nachgärungsfermentern wird ein Blick zum Gärsubstrat 
und den darin arbeitenden Milliarden von Mitarbeitern der Biogasanlage, den Bakterien, riskiert.


So sieht es im Hauptfermenter aus: Oben erkennt man die Holzbalkendecke, 
an der Schwefel aus dem aufsteigenden Rohgas auskristallisiert und so dem Biogas entzogen wird. 
Unten wird das Gärsubstrat immer von den Paddelgiganten umgerührt, so dass es im Kreis fließt.


Klar, das wollten alle mal sehen.


Für ein Erinnerungsbild wurde dann fröhlich in meine Kamera gelächelt 
und unserem Hund behielt auch dabei vorsichtshalber sein Spielsteinchen im Maul, 
denn man kann ja nie wissen....


Vor unserer großen Informationstafel wurden letzte Fragen geklärt und 
der ein oder andere kleine Plausch am Rande geführt (dabei lernt man immer 
nette Menschen kennen, finde ich – und lernen kann ich dabei auch immer was).

Auch unser Anlagenhund wird an diesem Tag noch einmal zu seinem Spielspass gekommen sein, oder?

Es grüßt Euch
Eure rasende Reporterin
awiso
19.09.2012

"Dezentrale Energielösungen mit Bürgern entwickeln – erfolgreiche Konzepte und die Rolle des Regionalmanagements“

lautete das Thema der gemeinsamen Veranstaltung.

Der Workshop war eine gemeinschaftliche Veranstaltung der Deutschen Vernetzungsstelle für die ländlichen Räume (DVS) und der LEADER-Region und richtete sich an Regionen und insbesondere deren Regionalmanagements, die das Thema Energie aufgreifen.

Hintergrund der Veranstaltung war der derzeitige Windenergie-Boom und die Frage, "Kann man die Erfahrungen aus den Bioenergiedörfern übertragen und ähnliche Bürgerbeteiligungsprojekte zur Windenergie unterstützen?"

Ländliche Räume tragen die Energiewende, da dort die notwendigen Flächen zum Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung vorhanden sind. Die Projektierung und Umsetzung regenerativer Energieerzeugung bietet Chancen für Weiterentwicklung und Wertschöpfung des Ländlichen Raums, kann aber auch Konflikte in sich bergen. Wie kann der Entwicklungsprozess durch das Regionalmanagement gestaltet werden, um Bürger einzubinden, Kommunikation zwischen verschiedenen Partnern herzustellen oder Projekte zu entwickeln und sogar auf andere Vorhaben zu übertragen?

Diesen und vielen anderen interessanten Aspekten widmete sich der Workshop.

Dem aktuellen Thema entsprechend nahmen regionale Vertreter aus der gesamten Bundesrepublik an der Tagung teil, die unter der Gesamtmoderation von Dr. Jan Swoboda (DVS Ländliche Räume) und Dr. Hartmut Berndt (LEADER Regionalmanagement) am 29.11.2011 in Göttingen im Tagungshotel Astoria begonnen hatte und am 30.11.2011 im Krebecker Bürgerhaus fortgeführt wurde.


Dr. Swoboda bei der Begrüßung


Workshop zur Entwicklung dezentraler Energielösungen im Krebecker Bürgerhaus ...


... mit interessierten Zuhörern.


Das habe ich mir gleich gedacht, als ich ein bioenergetisches Fahrzeug
vor unserem schönen Bürgerhaus fand.

Während am Dienstag in Göttingen Themen zu Stichworten wie Regionalplanung am Beispiel der Windenergie, Projektrealisierung, Rechts- und Organisationsformen für Bürgerenergieprojekte, Regionale Wertschöpfung, Entwicklungsplanung zur Versorgung mit erneuerbaren Energien und Vieles mehr behandelt wurden, standen in Krebeck am Mittwoch folgende Vorträge auf der Tagungsordnung (das Veranstaltungsprogramm kann auf dem Portal der dvs im Nachgang eingesehen werden):

  • „Die Rolle des Regionalmanagements beim Transferprozess von Bürgerenergiestrategien und Projekten am Beispiel der Bioenergiedörfer im Göttinger Land“ (Dr. Hartmut Bernd, LAG Göttinger Land)


Dr. Hartmut Berndt engagiert bei seinem Vortrag.

  • „Aktivierungsprozess für Energieprojekte im dörflichen Umfeld gestalten“ (Volker Ruwisch, Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung, Universität Göttingen),


Dr. Volker Ruwisch (IZNE Universität Göttingen) eröffnete seinen Vortrag mit einem Wort des Turnvater Jahn: 
"Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit!", womit er völlig Recht hatte.


Die Zuhörer sind aufmerksam.


An die Vorträge schloss sich die Arbeit in Kleingruppen ...


... und die Besichtigung unserer schönen Biogasanlage 
(Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck (BiWoK) e.G.) an. 
Auf der Biogasanlage angekommen ...


... wurden die Gäste vom Vorstandsvorsitzenden der Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G., Herrn Karl Heine über das Gelände der Bürger-Biogasanlage geführt.


Ein Besucher fand Gefallen an unserer netten Biogaskuh, was ihr sehr schmeichelte. 
Sie hielt ganz still, damit das Foto auch besonders vorteilhaft würde.


Tagungsteilnehmer zwischen Fermentern, Paddelgiganten und Güllekochern.


Oh, was gibt es hier unter der Biolene zu sehen? Gärsubstrat voller fleißiger Bakterien.


So eine Biogasanlage ist überall überaus interessant ...


... und vom erhöhten Standort aus auch eindrucksvoll. Außerdem hat sie von den Besuchern ein besonderes Lob erhalten: "Das ist bisher die sauberste Biogasanlage, die ich gesehen habe. Das spricht für das gute Management", meinte etwa sinngemäß ein Tagungsteilnehmer bei der Führung.

  • Nach der Rückkehr der Tagungsteilnehmer gab er Aufsichtsratsvorsitzende der BiWoK e.G. und ehemaligen Krebecker Bürgermeister Josef Sorhage einen engagierten „Ausblick auf neue Perspektiven der Energieerzeugung“.


Der Motivator des Bürger-Biogasprojektes, 
Aufsichtsratsvorsitzender josef Sorhage,eröffnet Ausblicke.

Schließlich stellten sich die Akteure aus den beiden Bioenergiedörfern Wollbrandshausen und Krebeck den Fragen aus der Gruppenarbeit und diskutierten mit den Tagungsteilnehmern über verschiedene Aspekte ihres erfolgreichen Bürger-Bioenergieprojektes an der B27.

Als Abschluss gab es leckere Häppchen zur spät mittäglichen Wegzehrung.


Von den Betreibern unseres Bürgerhauses wird leckere Heimweg-Zehrung aufgetischt!

Dann reisten die Tagungsteilnehmer voller neuer Eindrücke wieder nach Hause. Ob sie sich von uns anstecken lassen und auf den Weg zu mehr Energieautarkie machen? Mal sehen. Ohne Einigkeit und Zusammenhalt geht jedenfalls nix. Das wusste schon Turnvater Jahn.

Es grüßt Euch Eure rasende Reporterin
awiso
1.12.2011

Tomatennachlese im zu Ende gegangenen Gartenjahr 2011

Das Blattwerk im Tomatenzelt wurde lichter, das Blattgrün heller und die Tomaten erröteten deutlich zögerlicher. Dies ließ keine Zweifel aufkommen: Die Tomaten-Erntephase neigte sich dem Ende zu.

Zwar lugten noch ein paar gelbgrüne Tomaten hier und da mutig ins Tageslicht, aber umsonst: Die zeitweise schon sehr kühle Witterung und mangelnde Sonneneinstrahlung zeigten Wirkung: Die Tomaten blieben grün.


Die Tomatenernte geht zu Ende

Schließlich beschloss ich, die Erntesaison zu beenden. Der 22. September 2011 war der letzte Pflücktag.

 
Die Ausbeute am letzten Pflücktag: 0 Pferdeäpfel- und 2 Gärrestetomaten.

Bis dahin hatte ich meine Tomatenpflanzen gleichermaßen sorgsam angedrahtet und gegossen, war ständig auf der Jagd nach heimlichen Seitentrieben und habe fleißig jeden Ernteerfolg per Foto und zahlenmäßig dokumentiert. 
Mit den ganzen Fotos will ich Euch jetzt nicht belasten, aber eine kleine Auswahl - 9 von insgesamt 18 dokumentierten Pflückergebnissen zwischen dem 30. Juli und dem 22. September 2011 - möchte ich Euch hier zeigen. Es war alles dabei: große, mittlere, kleine und winzige Ernten. Mal waren die Pferdeäpfel-Tomaten (jeweils links), öfter jedoch die Gärrestetomaten (jeweils rechts) mengenmäßig vorne.


Tomatenvielfalt: viele und wenige Tomaten, oft mehr Gärrestetomaten aber ab und an auch mal mehr Pferdeäpfeltomaten pro Pflücktag – es war alles dabei (Links sind immer die Pferdeäpfeltomaten und rechts die Gärrestetomaten)

Beim Pflücken sind auf beiden Seiten auch mal einzelne Tomaten herunter gefallen, was sich aber die Waage hielt. Diese gefallenen Früchtchen habe ich liegen gelassen und nicht mitgezählt.

Inzwischen haben meine Männer das Tomatenzelt abgeräumt, die Tomatentöpfe gelehrt und alles bis zum nächsten Frühjahr weggeräumt und ich habe mich nun Ende November an die Arbeit gemacht und aus den Tomatenergebnissen ein paar Grafiken erstellt. Also los! Zunächst einmal das Ernteergebnis für ganz Neugierige.

Das Ernte-Endergebnis war wie folgt:

Pferdeäpfel: 427 Tomaten

Gärreste: 462 Tomaten


Grafik 1 (Foto unten und pdf-Datei im Anhang zu diesem Bericht)

Die erste Grafik zeigt Euch genau, wie viele rote Tomaten von welchen Pflanzen (Gärreste- oder Pferdeäpfeltomaten) an welchem der 18 Pflücktage gepflückt worden sind. Die zugehörige Datentabelle zeigt die einzelnen Pflücktage mit Datum und Tomatenanzahl. Natürlich habe ich nur dann gepflückt, wenn es etwas zu pflücken gab (also nicht jeden Tag!). Sofort erkennt man, wann die Sonne geschienen hat, denn an diesen Tagen beeilten sich viele Tomaten, rot zu werden. Sonnentage waren um den 6. , um den 20./21. August und um den 3.-6. September herum.


Grafik 1 mit Datentabelle (Ertrag des jeweiligen Pflücktages) – man erkennt sofort die Tage, an denen die Sonne schien.

Grafik 2 (Foto unten und pdf-Datei im Anhang zu diesem Bericht)

Die 2. Grafik zeigt die aufsummierten Ernteerträge in Form eines Säulendiagramms, so dass man immer sehen kann, wie viele Pferdeäpfel- oder Gärrestetomaten man bis zum z.B. 30. August 2011 insgesamt schon geerntet hat.

Zum Ende der Erntezeit werden die Säulen des Diagramms kaum noch oder nicht mehr größer – klar, weil keine Tomaten mehr dazu kommen. Man sieht aber auch, dass die Pferdeäpfeltomaten es nicht geschafft haben, die Gärrestetomaten mengenmäßig zu überholen. Letztere hatten die „Nase“ (oder die Säule) durchgehend vorne.


Grafik 2 und zugehörige Datentabelle mit dem jeweils aufsummierten Tomaten-Pflückertrag

Aus Grafik 2 bzw. aus der zugehörigen Datentabelle lassen sich die Unterschiede der aufsummierten Erträge der Pferdeäpfel- und Gärrestetomaten für jeden der 18 Erntetage ausrechnen, indem man den oberen Pferdeäpfeltomaten-Wert vom unteren Gärrestetomaten-Wertabzieht. Diese sind dann in Grafik 3 dargestellt.

Grafik 3 (Foto unten und pdf-Datei im Anhang zu diesem Bericht)

Die 3. Grafik zeigt den im Laufe der Ernteperiode insgesamt zunehmenden Vorsprung der Gärrestetomaten gegenüber den Pferdeäpfeltomaten.

Jeder der 18 Pflücktage ist in der Grafik durch einen blauen Punkt dargestellt. Bei jedem Punkt stehen zwei Zahlenwerte. Die erste Zahl nennt das Datum, an dem gepflückt wurde. Die zweite Zahl den bis zu diesem Tag erreichten Vorsprung der Gärrestetomaten gegenüber den Pferdeäpfeltomaten.

Also: Z.B. wurden am ersten Pflücktag am 30.07.2011 (blauer Punkt ganz links) 5 Gärrestetomaten mehr geerntet, als Pferdeäpfeltomaten und bis zum letzten Pflücktag, dem 22.09.2011 (blauer Punkt ganz rechts) wurden in der Summe 35 Gärrestetomaten mehr geerntet, als Pferdeäpfeltomaten. Am 20.08.2011 z.B. geht der Vorsprung der Gärrestetomaten von zuvor 28 auf 13 Stück Tomaten (Mehrertrag) im Vergleich zu den Pferdeäpfeltomaten (welche an diesem Tag nämlich mehr Tomaten lieferten, wie Grafik 1 zeigt).

Eine sogenannte Trendlinie (schwarze Gerade) zeigt, dass die Gärrestetomaten im Mittel ihren Vorsprung ausbauen konnten.

Grafik 3: 18 blaue Datenpunkte (für jeden Pflücktag der 54 Tage dauernden Tomaten-Ernteperiode einer) zeigen den bis zum jeweiligen Pflückdatum erreichten Ernteertrags-Vorsprung der Gärrestetomaten. Die durch diese Daten gelegte schwarze Trendlinie zeigt, dass der Vorsprung der Gärreststomaten bis zum Ende der Ernteperiode im Mittel zunimmt. Wenn der Vorsprung an einzelnen Pflücktagen geringer wird, dann deshalb, weil die Pferdeäpfeltomaten an diesen Tagen zwar bessere Ernten ablieferten, den Vorsprung der Gärrestetomaten insgesamt aber nicht kippen konnten (vergleiche Grafik 1).

Fazit:

Somit kann man zusammenfassen, dass die festen Biogasgärreste als Langzeitdünger von den Tomatenpflanzen besser aufgeschlossen werden können, als Pferdemist. Die Tomatenpflanzen wachsen etwas schneller heran (Folge 1 und 2 meines Berichts) und haben einen größeren Ernteertrag (Folge 2 und 3 meines Berichts), was jedoch die als Kraftnahrung altbewährten Pferdeäpfel nicht abwerten soll. Nicht jeder weiß ja eine Biogasanlage in seiner Nähe.


Wie ist das denn aber nun mit dem Geschmack?

Da Geschmack ja etwas sehr individuelles ist und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, habe ich wiederholt etliche Tomatentester von beiden Tomaten (Pferdeäpfel- und Gärrestetomaten) kosten lassen. Aufgabe war es, herauszufinden ob – und wenn ja, welche – Tomate besser schmeckt.

Die ersten Tester zeigte ich bereits in Folge 3. Aber es wurde ja weiter getestet.

Zunächst habe ich mich auch nach Wollbrandshausen aufgemacht und dort willige Tester gefunden (Vielleicht ist der Geschmack in Wollbrandshausen ja anders?). 
Mein netter, ehmaliger Kollege Wolfgang und seine Frau tauschten mit mir geheimnisvolles Tomaten-Spezialwissen: Die beiden probierten meine Tomaten und ich ihre. Und interessanterweise probierten die beiden meine Tomaten unabhängig voneinander (Wolfgang war noch unter der Dusche), entschieden sich aber für die gleiche Schüssel.

Natürlich wusste nur ich, in welcher Schüssel welche Tomaten waren, klar - und ich kann auch schweigen. Zurück in Krebeck fand ich ebenfalls ein sehr nettes Ehepaar, Willi und Mechtild (Bild ganz rechts), zum Testen.


Tomatentester sind in Wollbrandshausen und auch in Krebeck zu finden (alle ganz konzentriert beim Sehen, Riechen und Schmecken)

Die meisten Tester fand ich jedoch bei der Generalversammlung der BiWoK e.G. am 26. August 2011 unter den teilnehmenden Mitgliedern der Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G., wie die folgende Collage zeigt.


Tomatentester bei der Generalversammlung: Welche Tomatensorte schmeckt mir besser? Oder schmecken beide gleich? Vor der Generalversammlung ging das ganz flott. Nach Sitzungsende und dem Verspeisen der Schlachteplatte benötigten die Tester allerdings mehrere Tomaten, um zu einem Ergebnis zu kommen. 
Da wurden die Schüsseln dann schneller leer. Alle Tester haben sich für jeweils eine Sorte entschieden. 
Kein einziger war der Meinung, dass beide gleich schmecken, - obwohl es auch diese Möglichkeit 
auf dem Ankreuz-Formular gab.

So, und wie war nun das Tomaten-Ranking? Was meint Ihr?

Tomatentester-Ergebnisse:

Für die Pferdeäpfel-Tomaten entschieden sich 14 Tomatentester und für die Gärrestetomaten 26 Tester.

Natürlich habe ich versucht, herauszufinden, was den Unterschied ausmacht. Insgesamt zweimal bekam ich von verschiedenen Testern die Antwort, dass die Pferdeäpfeltomaten etwas süßer, die Gärrestetomaten aber irgendwie tomatiger schmecken.

Nun, das ist halt Geschmackssache und dazu kann sich nun jeder selber denken, was er mag.

So, das war es mal wieder von meiner Seite. Ich hoffe, ich habe es Euch nicht allzu wissenschaftlich, sondern eher allgemeinverständlich erklärt - ich habe mir jedenfalls Mühe gegeben.
Mit dieser 4. Folge meiner Reihe „Pferdeäpfel oder Gärreste - es ist was los in meinem Garten!“ ist die Tomatenernte nicht nur in meinem Garten, sondern auch auf unserer homepage beendet.

Es grüßt Euch Eure rasende Reporterin und wünscht Euch eine besinnliche Adventszeit, ein friedvolles Weihnachtsfest (vielleicht mit tomatenroten Christbaumkugeln?) und ein frohes neues Jahr bei guter Gesundheit in kuschelig bioenergetisch warmen Wohnungen.

awiso
24.11.2011

Ernte-Nachlese 2011 (Anfang der 2. Erntewoche bis Ernteabschluss)

Am Montag, den 26.09.2011 war die Ernte immer noch in vollem Gange – und das Wetter war immer noch wunderschön! Richtiges Erntewetter!!


Noch steht er, der Mais bei der Krebecker Heizzentrale - aber seine Tage sind gezählt, 
denn die Stoppelfelder im Umfeld nehmen stetig zu.

Und der Fotograf war da. Tom Bärwald, der bereits 2010 so schöne Aufnahmen von unserer Biogasanlage gemacht hatte (die wir für unsere homepage verwenden dürfen – danke!), war wieder auf der Anlage in Aktion und wuselte zwischen Fermentern und Silos umher. Georg Freiberg, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister von Wollbrandshausen, bewies beim Fototermin wichtige Charakterqualitäten als langjähriger Ortsvorsteher: Stehvermögen, Ausdauer und Geduld.

  
Professioneller Fototermin mit Tom Bärwald

Zeitgleich fand ein Interview des Redakteurs mit den Vorsitzenden des Aufsichtsrats und den Vorständen der BiWoK e.G. statt. Fotos und Interview sollen sich in einer Broschüre wiederfinden.


Aufsichtsrat und Vorstand stehen Rede und Antwort für eine Broschüre ??

Übrigens: Seine Mittagspause verbrachte Fotograf Bärwald womit? Mit seinem Fotoapparat. Im Vorbeifahren entdeckte ich ihn mit der Kamera mitten im jungen Rübenfeld neben der Biogasanlage sitzend, wo er einer hingebungsvoll die schönsten Seiten einer zarten Rübenpflanze ablichtete. Wahrlich, ein Fotograf mit Leib und Seele. Sehr, sehr schade, dass ich nicht anhalten konnte.

Am Dienstag, den 27.09.2011 wurde das Maisfeld neben unserer Biogasanlage abgeerntet.


Maisernte unmittelbar neben der Biogasanlage.


Teamwork mit perfekter Abstimmung zwischen Erntegespannen und Maishäcksler

Der Berg aus Häckselmais im großen Silo wächst nun deutlich! Alles, was die Anlage an Maschinen hergibt, verteilt und verdichtet Silage in Silo 4.

 
Schwere Maschinen verdichten der Maissilage im großen Silo 4

Erntegespanne kommen und gehen und liefern frisch zerkleinerten Mais mit jeder Fuhre. Manchmal stehen sie Schlange, bis sie genug Platz zum Entladen haben.


Maisanlieferung


Schlange stehen bei Silo 4

Mitte der 2. Erntewoche war der Berg im großen Silo 4 im hinteren Bereich auf dem Niveau des bereits abgeplanten Maisberges in Silo 1. Es schien, als wollten die Bulldozer direkt in den Himmel fahren.


Kaiserwetter bei der Maisernte: strahlend blauer Himmel, 
in den die Maschinen scheinbar direkt hineinfahren.

Donnerstag 29.09.und Freitag 30.09.2011: Zum Ende der Woche füllte sich Silo 4 auch in den vorderen Bereichen.

 
Der Bewegungsradius der Erntegespanne zwischen Silo 4 und dem Gärrestelager wird enger


Vom „Rübenschnellweg“ zwischen Wollbrandshausen und Krebeck sah das so aus.

Am Freitag, durften mein Jüngster mit seinem Freund aus Bodensee mit mir mitgehen. So genossen sie eine exklusive Führung über die Anlage. Bei den BHKW waren sie natürlich vorschriftsmäßig mit Ohrstöpseln ausgerüstet und auch sonst ganz vernünftig und interessiert. Unser Sohn hat auch eine Menge erklärt. Ich wusste zwar, dass er einiges über die Bioenergieanlage mitbekommt (bei den Eltern!) – aber wie viel er schon weiß – alle Achtung!


Der eine begeistert sich für Technik und der andere für Pflanzen und Natur. Biogasanlagen-Besichtigung ist da immer angesagt.

Der Maisberg in Silo 4 nimmt übers Wochenende (Samstag, den 1. und Sonntag, den 2.10.2011) respektable Höhen und Dimensionen an. Die nächsten 12 Monate Bioenergie sind wieder gesichert.


Aus Richtung des „Zubringer“ zur B27 aus gesehen sah das so aus.

Und dann ist es endlich soweit:
Irgendwann am Montag, den 3.10.11 faltet der Maishäcksler seine Häckselarme endgültig zusammen, die letzten Erntegespanne laden ihre Fracht in Silo 4 ab und nur noch die schweren Maschinen tuckern den Berg hoch und wieder runter, bis die Silage gut verdichtet ist.


Maishäcksler nach getaner Arbeit über mehr als 2 Wochen

Am Montag Abend klingt dann auf der Biogasanlage fröhliches Gelächter aus dem Dunkel der Nacht. Die Mitarbeiter der BiWoK e.G. und die Erntehelfer tun das, was sie nach den Erntewochen am allerliebsten tun – sie feiern! Auch ihr Chef ist nun ganz entspannt.


Daumen hoch, denn die Ernte war erfolgreich!

Mehr als 2 Wochen lang haben alle im Schichtdienst bis spät in der Nacht und manchmal sogar bis zum frühen Morgen gut Hand in Hand gearbeitet. Jetzt wird entspannt.


Nicht nur beim Feiern des Ernteabschlusses, sondern auch während der Erntearbeiten herrschte bei allen stets gute Laune. Eine tolle Truppe!

So, die Ernte ist nun aus und alle gehen erst mal nach Haus, ich auch! Es grüßt und winkt Euch


Eure rasende Reporterin

awiso

2.11.2011