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Josef Sorhage, Aufsichtsratsvorsitzender der Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G. (BiWoK e.G.) mit Familie im Mai bei der Hochschule Harz und die Hochschule Harz im Juli 2011 mit ihrer "International Summer School" bei der BiWoK e.G.

21. Mai 2011 Tag der offenen Türe der Harz-Uni

Unsere Kinder wachsen heran und der älteste (17) trägt sich mit dem Gedanken, zu studieren. Da passte es gut, dass die Hochschule Harz am 21. Mai 2011 ihren Tag der offenen Tür hatte. Nix wie nach Wernigerode sagten wir uns damals und nahmen auch den Jüngsten (13) mit, der später Elektroniker werden will.

Letzterer interessierte sich natürlich besonders für die Elektroniklabore des FB Automatisierung und Informatik und ließ sich dort am frühen Vormittag von noch ausgeruhten Uni-Mitarbeitern alles ausführlich zeigen, erklären und vorführen - und seine schlauen Äuglein flitzten dabei munter hin und her und in seinem Kopf wurde alles Interessante abgespeichert. Dass er viel mehr kapiert hatte, als seine ihn begleitende Mutter gedacht hätte (obwohl ich es ja hätte wissen müssen, denn er ist immer so ...) erwies sich einige Stunden später, als er seinen Papa Josef am Ärmel zupfte und sagte: „Du, Papa, da ist auch eine Brennstoffzelle!“, worauf sein Papa sofort hellhörig wurde und seinem Jüngsten folgte.

Tatsächlich, da war eine Brennstoffzelle ...


Versuchsaufbau mit Brennstoffzelle (blau-grauer Zylinder in hellem Feld links unten) 
im Labor der Hochschule Harz: Wenn man alles richtig schaltet, ... 


... dreht sich der rote Ventilator. Das findet unser Papa gut.

Und Prof. Volker Ruwisch verriet uns darüber hinaus, dass die Harz-Uni auch eine kleine Biogasanlage betreibt. Die mussten wir natürlich auch in Augenschein nehmen. Allerdings sieht diese etwas anders aus als unsere (viel kleiner), da sie im Labormaßstab arbeitet.


Versuchsaufbau einer Mikro-Biogasanlage im Labor-Maßstab: 
Die Wärmeschränke mit den darin stehenden Glasbehältern (Reaktoren) stellen die Fermenter dar und in dem 
silberner Plastikbeutel wird das Biogas (im Vordergrund) aufgefangen.

Die Labor-Biogasanlage der Harz-Uni in Wernigerode dient den Studenten des Studienganges "Erneuerbare Energien" als Anschauungs- und Versuchsobjekt. Sie kann bei unterschiedlichen Temperatur-Bedingungen (meso- und thermophil) gefahren werden.  In der Regel werden jedoch Testreihen unter mesophilen Bedingungen (Temperaturbereich bei ca. 35 °C) durchgeführt. 
Die meisten Biogasanlagen werden unter mesophilen Temperaturen (etwa 35-42°C) betrieben. Unsere Bioagasanlage arbeitet unter thermophilen Temperaturbedingungen (oberhalb von 50°C).

Zudem können in den vier Reaktoren die Biogasausbeute sowie der Einfluss von Begleitparametern des Gärprozesses unter unterschiedlichen Versuchsbedingungen wie Substratart, verschiedene Temperaturen, Impfschlammverhältniss (Substratmenge pro Bakterienmasse)sowie Anreicherung von Hemmstoffen im Labormaßstab untersucht werden.

Von den Studenten überwacht werden Parameter wie Wassergehalt bzw. Trockensubstanzgehalt (TS) und Organischer Trockensubstanzgehalt (oTS) des Substrats und des Impfschlamms, Biogasvolumen (über der Zeit), Biogaszusammensetzung sowie pH-Wert sowie FOS/TAC (Flüchtige Organische Säuren/Total Anorganic Carbon) im Fermenter.

Die Studierenden bearbeiten dabei folgende Aufgaben: 
Berechnung der Probenmengen zur Einstellung verschiedener Impfschlammverhältnisse unter Berücksichtigung von TS- und oTS-Gehalt des Substrats, Untersuchung und Vergleich verschiedener Ansätze unter verschiedenen Versuchsbedingungen, Umrechnung des entstandenen Biogasvolumens auf Normbedingungen und auf den oTS-Gehalt der Probe, Untersuchung der Biogaszusammensetzung, Vergleich von Anfangs- und End-pH-Wert sowie von FOS/TAC am Anfang und Ende im Fermenter und schließlich die Ableitung von möglichen Optimierungen des Gärprozesses und der Biogasausbeute aus den Versuchsergebnissen.


Unser Papa Josef Sorhage (Aufsichtsratsvorsitzender der BiWoK e.G.) ist mit 
Prof. Volker Ruwisch (Summer School der Hochschule Harz und IZNE der Uni Göttingen 
(Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung)), 
Prof. Dr. Andrea Heilmann (Fachbereich "Automatisierung/Informatik": "Umweltmanagement"/
Studiengang "Erneuerbare Energien") und 
Prof. Dr. Folker Roland (Professur für Betriebswirtschaftslehre, Schwerpunkt Logistikmanagement) 
ins Gespräch über erneuerbare Energien vertieft und unser Junior spitzt die Ohren. 
Erneuerbare Energien sind bei uns zu Hause immer ein Gesprächsthema.


Unser Ältester hörte sich u.a. eine Vorlesung zum Thema "Marketing mit Düften" an und 
gab dem Campus-TV-Sender ein Interview ...


... und unser Junior probierte aus, wie es ist, in einer Tasse zu sitzen.

Alles in Allem hat meinem Mann die Uni Harz mit dem beinahe familiären Campus nach amerikanischem Vorbild so gut gefallen, dass er dort gleich noch einmal studieren würde, wenn er etwas jünger wäre und die Zeit dazu hätte. Man kriegt hier richtig Lust zum Lernen - aber auch Lust auf eine fetzige Studenten-Fete. Ich kann ihn gut verstehen.

Übrigens: Es wird hier sogar der neue Studiengang "Erneuerbare Energien" angeboten - siehe unter folgendem Link:
http://www.hs-harz.de/7799.html

15. Juli 2011 Die „International Summer School“ der Harz-Uni besichtigt die Biogasanlage der BiWoK e.G.

Am Freitag, den 15. Juli 2011 besuchte Prof. Volker Ruwisch dann unsere Biogasanlage und hatte wie bereits im letzten Jahr die „International Summer School“ der Uni Harz im Schlepptau, die jedes Jahr während der Semesterferien zum Thema "Renewable energy sources for sustainable development – Basics and best practice" (Erneuerbare Energiequellen für eine nachhaltige Entwicklung - Grundlagen und Praxis) durchgeführt wird.


Zahlreich quollen an erneuerbaren Energien interessierte junge Studenten aus dem Reisebus.

Ausnahmsweise gab ich als rasende Reporterin einmal meine Kamera aus der Hand und legte sie in die von der die Gruppe ebenfalls begleitenden Wissenschaftlerin Frau Dr. Ute Urban (Schwerpunkte an der Hochschule Harz: Solarenergie/Elektromobilität - sie fährt selbst ein deratiges Auto. Leider sind die Fotografen selten auf den Fotos, seufz...), da ich die Führung in englischer Sprache übernommen hatte. Hat sehr gut geklappt, wie man an den Bildern ja sehen kann.


Auch das südkoreanische Fernsehen begleitete uns bei der Führung.

Der Bericht über die ganztägigen Filmaufnahmen für das Korea-TV kann gesondert unter "Aktuelles" auf dieser Homepage nachgelesen werden.

Da es an diesem Tag recht laut zuging auf unserer Biogasanlage (Landwirte holten laufend Gärreste zum Düngen ihrer Felder ab) ... war die Verständigung nicht immer einfach, zumal Englisch längst nicht für alle die Muttersprache war. Aber das Interesse war groß und die jungen Leute aus verschiedenen Ländern stellten viele Fragen, besichtigten die gesamte Anlage von den Siloflächen und "Vielfraßen" (geschützter Name der Firma AgriKomp) über die Gärstrecken, mitsamt "Güllekochern" (geschützter Name der Firma AgriKomp) sowie die Gasaufbereitung bis hin zu den Anlagen-BHKW (Gas-Ottomotoren für die Prozesswärme) und den Gärrestelagern.


Je nach Technik kann der Tankwagen von oben oder per Schlauchanschluss 
von der Seite mit flüssigen Gärresten betankt werden.


Nicht ganz einfache Verständigung in englischer Sprache bei regem Verkehr 
von landwirtschaftlichen Traktoren-Gespannen auf der Biogasanlage.

 
Zwischen Haupt- und Nachgärungsfermenter: Jeder der Studenten der International Summer School durfte einmal durch ein
beleuchtetes Bullauge am oberen Fermenterrand den Bakterien bei der Arbeit zusehen (rechter Bildrand).

Wie ist das denn eigentlich mit den festen Gärresten, die da auf der Anlage rumliegen? Stinken die? Kein Problem beschloss ich, das können die jungen Leute selbst herausfinden. Stirnrunzeln, als ich ein Bröckchen vom Haufen las, skeptische Blicke als ich es zum Riechtest hin hielt, vermutlich erwarteten alle den vertrauten Geruch von tierischer (unvergorener) Gülle – der blieb aber aus – tatsächlich, es riecht im Vergleich zu den im Erfahrungsschatz abgespeicherten Geruchsmustern fast angenehm.

 
Manche wagten sich mit ihren Nasen doch etwas mutiger heran, als andere. Mist und Gülle stinken doch aber - und Gärreste sind doch so etwas Ähnliches, oder nicht? Hm, aber dieser Biogas-Gärrest stinkt nicht. Warum? 
Aha, die den Gestank verursachenden Stoffe werden bei der Vergärung des Substrates abgebaut.



Es wurde viel geknippst ...


... und das obligatorische Gruppenbild begeisterte unsere Biogaskuh sichtlich, 
da sie sich inmitten von so vielen jungen Leuten auch gleich prima fühlte. 
Josef Sorhage, Aufsichtsratsvorsitzender der BiWoK e.G. und Ortsbürgermeister von Krebeck 
stellte sich auch gerne zu der fröhlichen Besuchergruppe (Gemeinsam mit Prof. Ruwisch auf der Treppe).

Abschließend wurde noch ein Abstecher zur Heizzentrale des Bioenergiedorfes Krebeck unternommen (die übrigens völlig identisch zur 2. Heizzentrale des Partner-Bioenergiedorfes Wollbrandshausen ausgestattet ist). Dort konnten die Studenten die Verbrennung des Biogases durch die beiden BHKW (Zündstrahlmotoren) sehen. Das Biogas wird per Mikrogasnetz von der zentral an der B27 zwischen beiden Dörfern gelegenen Biogasanlage dort hin geleitet und vor Ort verbrannt. Dies hat den Vorteil geringer Wärmeverluste auf den kurzen Wegen der Weitergabe des erhitzten Wassers an die angeschlossenen Häuser über das örtliche Nahwärmenetz. Das Wasser kommt mit ca. 80°C in den Haushalten an.

An diesem von Traktorenlärm unbelasteten Ort konnten Prof. Ruwisch und ich auch noch einmal alles zusammenfassen und weitere Fragen beantworten.


Letzte Fragen und Antworten vor der Krebecker Heizzentrale (linker Bildrand: Prof. Volker Ruwisch).

Der Unterschied einer Bürger-Biogasanlage zu einer kommerziellen – so haben wir den Studenten z.B. erklärt - ist ja neben zahlreichen sozialen u.a. Aspekten, wie

-         Stolz der Bürger auf ihre selbst geschaffene Anlage,
-         Schaffung von Arbeitsplätzen
-         enge Zusammenarbeit und Zusammenwachsen der Menschen beider Bioenergiedörfer Wollbrandshausen und Krebeck,
-         selbst etwas für den Umweltschutz und die Zukunft der Kinder getan zu haben,
-         das Wirtschaften mit den Genossenschaftseinlagen hautnah erleben zu können,
-         unabhängig zu werden von Ölkonzernen und Krisenherden in den Ölregionen usw.

auch, dass das erwirtschaftende Geld in der Region bleibt, diese bereichert und nicht an Großkonzerne abfließt. Für mich ist das ein ganz wichtiger Aspekt. Denn bei kommerziellen Anlagen fließt nicht nur das erwirtschaftete Geld an den betreibenden Konzern ab, die Bürger geben auch ihren direkten Einfluß auf die Gestaltung, den Umfang und die Betriebsweise des kommerziellen Unternehmens weitgehendst ab.

Schließlich waren alle Fragen gestellt und beantwortet und die Besuchergruppe machte sich auf den Rückweg nach Wernigerode. Ein fröhliches Winken noch - bis zum nächsten Jahr also...

Was ich als Nächstes gemacht habe? Oh, ich bin zu meinem Mann Josef ins Auto gestiegen und unmittelbar darauf auf Goethes und Schillers Spuren ins schöne Thüringen in Urlaub gefahren.

Es grüßt Euch Eure erholte, rasende Reporterin
awiso 1.08.2011