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Am letzten Samstag im Oktober 2010 erhielt unsere Biogasanlage den göttlichen Segen.

Zahlreiche Anteilseigner und Zuschauer aus beiden Bioenergiedörfern sowie Gäste und Zuschauer waren auf dem Gelände der Biogasanlage erschienen, um der feierlichen Einweihung beizuwohnen, die der Höhepunkt unseres vor vier Jahren begonnenen Projektes ist.

Während Pfarrer Michael Lerche und Pastor Reinhard Eckert (auch die für Wollbrandshausen zuständigen Geistlichen Pastor Edelmann und Pfarrer Kaminski waren anwesend) einträchtig ökumenisch die Fahrsilos, Güllebehälter, Fermenter, Gärrestebehälter und Gebäude unserer Biogasanlage sorgsam mit Weihwasser besprengten und segneten, auf dass der Herrgott stets seine schützende Hand über unsere Bioagasanlage und die Menschen dieser Region halten möge, mag so mancher Beobachter im Stillen seufzend hinzu gesetzt haben:


 

  • "auf dass aus nachwachsenden Rohstoffen und tierischer Gülle wie bisher so auch in Zukunft prima energiereiches Biogas und hochwertiger Dünger (Gärreste) erzeugt werden mögen" oder
  • "auf dass die Menschen dieser Region aus der Abhängigkeit der Großkonzerne befreit und von der Nutzung endlicher fossiler Brennstoffe sowie von der per Bundestagsbeschluss vom Vortag um weitere 12 Jahre verlängerte und mit unübersehbaren Risiken über tausende von Jahren belasteter Kernenergie erlöst sein mögen!" oder
  • "auf dass unsere Region, unsere Nachkommen und unsere schöne Natur davon profitieren und das erwirtschaftete Kapital nicht abfließe an Großkonzerne" oder ähnliches ...


Bei der Einweihung der Biogasanlage (von link)s: 
Vorstandsvorsitzender Karl Heine, Pastor Eckert, Pfarrer Lerche, Aufsichtsratsvorsitzender Josef Sorhage
(BGM krebeck), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Georg Freiberg (BGM Wollbrandshausen)


Rege Anteilnahme der Bürger an der Einweihung ihrer Biogasanlage

Auch eine neue, große Infotafel mit Biokuh zierte den Gärrestebehälter im Eingangsbereich der Anlage und fand zahlreiche interessierte Leser.


Eckdaten unserer Biogasanlage können hier nachgelesen werden

Nachdem die Biogasanlage ihren Segen erhalten hatte, wurde die Einweihung im Adolf Heine Bürgerhaus in Krebeck mit Grußworten, Festansprachen und viel guter Laune fröhlich gefeiert.

Der Krebecker Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Josef Sorhage und sein Stellvertreter Georg Freiberg, Bürgermeister von Wollbrandshausen begrüßten Gäste und Bürger. Josef Sorhage erinnerte in seiner Rede sein Erleben der Initiative des Landkreises Göttingen zur Förderung weiterer Bioenergiedörfer und die Geschichte der Entstehung der Biogasanlage und sprach von einer jhistorischen Stunde mit großer Bedeutung für beide Ortschaften (Rede als pdf-Dokument unterhalb dieses Berichtes).

Der Vorstandsvorsitzende Karl Heine stellte das seit August 2010 in Betrieb befindliche Erfolgsprojekt der "Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G." vor, in das eine Investitionssumme von ca. 10 Millionen € geflossen ist. So hat die Anlage mit einer Gesamtleistung von 1,38 MW seit August 2010 3,5 Millionen Kilo-Watt erzeugt. Von 260 Haushalten und öffentlichen Gebäuden seien bereits 150 angeschlossen (Tendenz wöchentlich steigend, mittlerweile 180) und werden über die von den Satelliten-Heizzentralen ausgehenden Nahwärmenetze versorgt. Die Genossenschaft zählt mittlerweile 252 Mitglieder, 40 Landwirte liefern Mais, GPS und Gülle. Karl Heine betonte, dass die Wertschöpfung dort bleibe, wo sie entsteht. „Wir haben Grund zum Feiern“, freute er sich.

Neben der hohen Geistlichkeit waren auch Gäste aus der großen Politik nach Krebeck ins Adolf-Heine-Bürgerhaus geeilt:

  • Niedersachsend Ministerin Astrid Grotelüschen (Ministerium für Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung) hielt den Festvortrag, in dem sie den wirtschaftlichen Aspekt solcher Anlagen unterstrich: „Dörfer und Bioenergie gehören zusammen. Der vor Ort produzierte Strom bringt nicht nur energetischen Nutzen für die Dörfer, sondern auch Arbeitsplätze im ländlichen Raum, da wo wir sie brauchen.“


Festrednerin Frau Ministerin Grotelüschen mit Blumen und Mettwurst, eingerahmt von Karl Heine und Josef Sorhage (Foto Mahnkopf)

  • Bundestagsabgeordneter Thomas Oppermann (SPD), dessen Ziel ist, die Stromversorgung in Niedersachsen bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen, freute sich über das fünfte erfolgreiche Bioenergieprojekt im Landkreis Göttingen: „Die Bewohner dieser beiden Dörfer haben in ihre Zukunft und in die Zukunft ihrer Kinder investiert.“ Darüber hinaus ging er in seinem Grußwort auf die tags zuvor heftig geführte Bundestagsdebatte zum umstrittenen Beschluss der Verlängerung der Atomlaufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre ein: „Die Zukunft gehört nicht den Dinosauriern der Atomwirtschaft, sondern der innovativen mittelständischen Wachstumsbranche bei den erneuerbaren Energiequellen.“



Thomas Oppermann: „Mit fünf Bio-Dörfern im Landkreis Göttingen stehen wir hervorragend da.“

Auch Landtagsabgeordneter und Duderstädter Ehrenbürgermeister Lothar Koch war voll des Lobes und zollte unserem Bioenergieprojekt seinen Respekt.



Landtagsabgeordneter und Eichsfelder Lothar Koch mit Herz und vollem Einsatz bei seinem Grußwort

Robert Bugar, Gründer der Firma agriKomp, die unsere funktionale Biogasanlage erstellt hat, sprach über effiziente Biogastechnologie.


Robert Bugar bei seinem Grußwort

Herzlich begrüßt wurden auch Abordnungen aus den Bioenergiedörfern Jühnde und Reiffenhausen, die erst jüngst an der Bioenergiedörfertagung in Krebeck teilgenommen hatten (siehe unter "Aktuelles") und es sich nicht nehmen ließen, mit uns zu feiern.

So manche Grußworte und Glückwünsche zur Einweihung wurden an diesem Nachmittag noch gesprochen - alles aufzuzählen, würde diesen Rahmen sprengen. Das Rahmenprogramm billdeten eine softjazzige musikalische Begleitung und Genüsse für das leibliche Wohl:

Nun, die hohe Geistlichkeit operierte bei der Einweihung der Biogasanlage noch mit geweihtem Wasser - die Gäste der Einweihungsfeier bevorzugten jedoch weltlichere Getränke. Alkoholfreie Getränke wurden dabei im Gegensatz zu alkoholhaltigen kostenlos angeboten - eine gute Idee, die von allen auch gut angenommen wurde. Dazu gab es ausgesprochen lecker und kreativ zubereitetes Fingerfood, das großen Anklang fand.

Die Stimmung im voll besetzten Adolf Heine Bürgerhaus war hervorragend und wurde von einer sehr positiven Grundhaltung der teilnehmenden Bürger getragen. Dies signalisierte einen festen und starken Rückhalt des gemeinsamen Energiekonzeptes der beiden Bioenergiedörfer in der gesamten Bürgerschaft (auch bei Nichtmitgliedern) bzw. den Stolz der Krebecker und Wollbrandshäuser auf ihre Biogasanlage - und es zeigte deutlich, dass die Bürger die Energiewende wollen.

Ich als Eure rasende Reporterin wünsche mir schon, dass die anwesenden Politiker diese besondere Art des "menschlichen Kraftfeldes", diese "menschliche Bioenergie" ebenfalls wahrgenommen haben. Sie mögen sich bei ihrem politischen Handeln daran erinnern, zu welchen erstaunlichen Leistungen zwei kleine Dörfer fähig sind, wenn die Menschen sich und ihre Interessen bzw. Zukunftsängste ernst genommen fühlen: Die Bürger haben nicht lange gefackelt, ihre Kräfte gebündelt, ihre Chance beherzt ergriffen, in die Hände gespuckt und gemeinsam solide Arbeit für eine lebenswerte Zukunft geleistet. Sie wollen weg von immer noch mehr 1000x1000 Jahre strahlenden atomaren Abfällen, weg von so manchen allzu durchschaubaren Abhängigkeiten im Zusammenhang mit fossilen Energiestoffen und Atomenergie. Sie wollen hin zu mehr Selbstbestimmung und Umweltschutz und sie wollen die Lasten ihrer Nachkommen erleichtern.

Am 11. November 2010, als ich diesen Bericht schrieb, war in Potsdam im Filmpark Babelsberg die Bambi-Verleihung. Unter anderen erhielt die große britische Naturforscherin Jane Goodall, die weltweit für die Verhaltensforschung bei Schimpansen bekannt wurde, den "Unsere Erde"- Bambi 2010 für ihren unermüdlichen Einsatz für eine bessere Welt. Jane Goodall erzählte bei ihren Dankesworten von einem alten indianischen Sprichwort:

"Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern ererbt - wir haben sie von unseren Kindern geliehen."

Frau Goodall kommentierte dieses Sprichwort, wie folgt: "Das stimmt nicht! In Wahrheit haben wir die Erde unseren Kindern gestohlen und tun es immer noch, denn was man geliehen hat, gibt man in einwandfreiem Zustand wieder zurück.“ Eine sehr beeindruckende, starke Frau, wie ich meine.... - nun, die Menschen in Bürger-Bioenergiegemeinden wollen ihren Kindern unbedingt etwas zurückgeben.

Dabei war und ist die Initiierung sowie die logistische und hinsichtlich der Machbarkeitsstudien finanzielle Unterstützung des Bioenergiedörfer-Projektes durch den Landkreis Göttingen meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Zurück zur Einweihungsfeier: Der offizielle Teil endete gegen 17 Uhr. Von den Festteilnehmern erlebten jedoch etliche bei ungebrochen regem Erfahrungsaustausch im Bürgerhaus sogar noch die Geisterstunde. Auch mein Mann fand irgendwann des Nachts zufrieden den Weg nach Hause. Einige Teilnehmer waren von der ausgesprochen positiv aufgenommenen Veranstaltung bioenergetisch derart aufgeladen, dass sie noch nicht nach Hause gehen, sondern immer noch weiter feiern wollten. Diese soll es nächtens bis nach Wulften verschlagen haben, wie ich aus berufenem Munde erfahren habe.

Die lokale Presse berichtete gleich am nächsten (hallo Sonntag im Eichsfeld) und übernächsten (Eichsfelder Tageblatt) Tag in gewohnter Weise ausführlich über die Einweihungsfeierlichkeiten unserer Biogasanlage (siehe unter Presse), was uns sehr gefreut hat.

So, das war's mal wieder von meiner Seite. Es grüßt Euch Eure rasende Reporterin.

awiso 12.11.2010