Anlage9.jpg

Freitag, den 10.09.2010

1. Tag der

Bioenergiedörfer-Tagung

des

LEADER Regionalmanagements LAG Göttinger Land

 

Die Referenten des frühen Nachmittags

  • Bernt Farcke vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BELV), Berlin und
  • Prof. Dr. Hans Ruppert vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE),
    Universität Göttingen

stellten „Die Bedeutung der Bioenergie für den ländlichen Raum“ (Farcke) und „Die Idee zum Bioenergiedorf“ bzw. nachwachsende Energie-Rohstoffe als Alternative zu Öl, Kohle, Gas und Uran (Prof. Ruppert) in den Mittelpunkt ihrer Vorträge.


Bernt Farcke (BELV)

Unmittelbar nach dem Vortrag von Herrn Farcke wurden natürlich die brandaktuellen Pläne der Bundesregierung, die Laufzeiten von Kernkraftwerken zu verlängern, kritisch diskutiert:

„Kernkraft soll es nach Wunsch der Bundesregierung zwar bis zum Jahr 2050 geben. Wir sollten es aber so sehen: Bis dahin wird die Hälfte an Strom, Wärme und Mobilität aus erneuerbaren Energien stammen und die Biomasse erhält ihre Position“, so das zu erwartende Resümee des  Referenten aus dem Bundesministerium.

Prof. Dr. Ruppert (IZNE) zeigte in seinen Ausführungen auf, daß die Resourcen fossiler Energieträger begrenzt sind und  alternative Energiequellen dringend benötigt werden: "Wir verbrauchen in einem einzigen Jahr soviel Öl und Erdgas, wie sich in einigen Millionen Jahren gebildet hat." Prof. Ruppert zeigte die Potentiale erneuerbarer Energien und die Vorteile von Bioenergiedörfern für den ländlichen Raum umfassend auf und wies darauf hin, dass Bioenergiedörfer auch Bausteine zur Lösung der globalen Energie-, Klima- und Einkommensprobleme sein können. Beziehungsvoll zitierte Prof. Ruppert in seinem Vortrag Albert Einstein: „Die gewaltigen Probleme unserer Zeit können nicht mit derselben Denkart gelöst werden, welche jene Probleme hervorgebracht hat.“


Prof. Hans Ruppert (IZNE)

Während der anschließenden Kaffepause fanden nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Brezeln, Getränke, Obst und Yoghurt allgemeinen Anklang. Man sah so manchen Tagungsteilnehmer, wie er sich zufrieden mit einer Banane oder einem Apfel neue „Bio“-Energie zuführte.

Alle Vorträge der Tagung sind übrigens in Form von PowerPoint-Präsentationen auf der Homepage der Energieagentur Region Göttingen unter folgendem Link eingesetellt.

http://energieagentur-goettingen.de/energieagentur/veranstaltungen-fortbildungen/bioenergiedoerfertagung/startseite/

Die Referenten des späteren Nachmittags,

  • Eckhard Fangmeier vom Vorstand der Bioenergiedorf Jühnde eG,
  • Dr. Hartmut Berndt vom LEADER-Regionalmanagement Göttinger Land,
  • Dr. Torsten Gabriel von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Gülzow, und
  • Peter Vadasz, Bürgermeister der österreichischen Bioenergiegemeinde Güssing

rückten die Bioenergiedörfer in den Vordergrund ihrer Vorträge:

Zunächst ließ Vorstand Herr Fangmeier „5 Jahre Bioenergiedorf Jühnde“ mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren.

Dabei hat es mich beim Zuhören doch sehr erleichtert, dass unsere eigene Biogasanlage fast alles in doppelter Ausführung besitzt und uns selbst bei Ausfällen und Reparaturen eine kontinuierliche Biogasproduktion und Wärmeversorgung ermöglicht.


Eckhard Fangmeier (Vorstand Bioenergiedorf Jühnde, 2. von links)

Während der Wortmeldungen entdeckte ich Ähnlichkeiten zu unseren drei Söhnen. Der Erstgeborene muss alle Erfahrungen mit den widerspenstigen Eltern zum ersten Mal machen und sehen, wie er seine Vorstellungen durchsetzt (Vorreiter). Die Nachgeborenen lernen durch Zugucken und haben es ein bisschen leichter - und je mehr Kinder zur Familie gehören, umso stärker wird außerdem deren „Lobby“ gegenüber den Eltern.

Die erfolgreiche Vorreiter-Rolle des Bioenergiedorfes Jühnde, die Vorbild bei der Entstehung weiterer Bioenergiedörfer war und ist, erforderte ein besonderes, nicht hoch genug einzuschätzendes Engagement der Bürger und verdient daher hohen Respekt.

Dr. Berndt (LEADER) beleuchtete die Probleme und unterschiedlichen Lösungsansätze beim Aufbau der „Bioenergiedörfer im Göttinger Land“ sowie deren besondere Merkmale:

  • Jühnde und Barlissen (Genossenschaften mit Biogasanlage, Holzhackschnitzel-Heizwerk und Nahwärmenetz, Landwirte liefern Biomasse)
  • Reiffenhausen (Biogasanlage in Händen der Landwirte, Nahwärmenetz genossenschaftlich geregelt)
  • Krebeck/Wollbrandshausen (gemeinsame genossenschaftliche Biogasanlage versorgt über dezentrale Heizwerke zwei Bioenergiedörfer mit Biogas, das vor Ort verbrannt und über je ein örtliches Nahwärmenetz genutzt wird, Landwirte liefern die Energiepflanzen dazu).

Die Bioenergiedorfgemeinschaften gewinnen, so Herr Berndt, durch eine unabhängige, regionale und klimaschonende Energieversorgung, durch die Stärkung der eigenen Identität und des Gemeinschaftsgefühls und durch mehr Selbstbewusstsein und Kreativität.


Referent Dr. Berndt (LEADER)

Dr. Gabriel (FNR) sprach zu den „Bioenergiedörfern in Deutschland“ und zeigte die bisherigen politischen Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen als Grundlage ihrer Entwicklung auf. Er stellte fest, dass es in Deutschland inzwischen ca. 51 etablierte Bioenergiedörfer gibt neben weiteren 160, die sich auf den Weg zum Bioenergiedorf gemacht haben.

Die zukünftig anvisierte Übertragung des Bioenergiekonzeptes auch auf größere Städte und Gemeinden wurde bei der anschließenden Diskussion von Prof. Dr. Ruppert (IZNE), bezüglich des zu befürchtenden zunehmenden Fremdeinflusses durch große Energiebetriebe zuungunsten einer unabhängigen Regionalentwicklung und regionalen Wertschöpfung (kein Abfließen an Großkonzerne, sondern Verbleib des erwirtschafteten Geldes in der Region) allerdings kritisch gesehen.


Dr. Gabriel (FNR)

Zum Abschluss des Nachmittags begeisterte Bürgermeister Peter Vadasz von der Bioenergiegemeinde Güssing im österreichischen Burgenland seine gesamte Zuhörerschaft mit seinen klar strukturierten und humorvollen Ausführungen zum „Beispiel Güssing“. Er ließ dabei deutlich spüren, dass sein Herz für die Bioenergiegemeinde Güssing schlägt, legte aber großen Wert darauf, dass man für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Projektes nicht nur Mut allein, sondern unbedingt auch Verstand braucht.


Peter Vadasz, Bürgermeister der Bioenergiegemeinde Güssing, auf dem Weg zum Rednerpult.


Herr Vadasz bei seinen Ausführungen.

Der erste informative Tag der Bioenergiedörfer-Tagung schloss mit einem guten und reichlichen Abendessen bei musikalischer Begleitung durch das Lindsay Bland - Quartett.


Manfred Menke beim Suppentopf


Das Abendbuffet wird umlagert


Lindsay Bland - Quartett

Viele blieben erst einmal sitzen und gingen nach einem oder mehreren Gläschen in gut gestimmter, geselliger Gesprächsrunde erst zu späterer Stunde nach Hause bzw. in ihre Unterkunft.

Genauso gut gelaunt kehrten die Tagungsteilnehmer am nächsten Tag, dem Samstag in unser Adolf-Heine Bürgerhaus zurück. Aber davon in der 3. Folge dieses Berichtes mehr.

awiso, 16.09.2010

Anlage Bernt Farcke (BELV),: "Die Bedeutung der Bioenergie im ländlichen Raum" zum Download (470 KB, PDF)

Anlage Eckhard Fangmeier (Jühnde): "5 Jahre Bioenergiedorf Jühnde" zum Download (1495 KB, PDF)

Anlage Prof. Dr. Hans Ruppert (IZNE): "Die Idee zum Bioenergiedorf" zum Download (3759 KB, PDF)

Anlage Dr. Hartmut Berndt (LEADER): "Bioenergiedörfer im Göttinger Land" zum Download (5095 KB, PDF)

Anlage Peter Vadasz (Güssing): "Das Beispiel Güssing" zum Download (1983 KB, PDF)

Anlage Dr. Torsten Gabriel (FNR): "Bioenergiedörfer in Deutschland" zum Download (1249 KB, PDF)