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Einmalig in Deutschland: Zwei Orte arbeiten für gemeinsames Bioenergieprojekt eng zusammen

In der Mitte Deutschlands: 

Wollbrandshausen und Krebeck, zwei Bioenergiedörfer in Niedersachsen

Historisch und geografisch liegen Wollbrandshausen und Krebeck im südliches Niedersachsen, innerhalb der katholisch geprägten, alten und landschaftlich wunderschönen Kulturlandschaft des Eichsfeldes zu

Füßen des "Höherberges", eines alten Wallfahrtsortes im Untereichsfeld. Die Entfernung zu den umliegenden Stadtgemeinden Göttingen, Duderstadt, Herzberg und Northeim beträgt jeweils ca. 20 km.

Politisch gehören die Gemeinde Wollbrandshausen (ca. 627 Einwohner - Stand 2008) und Krebeck, das mit Renshausen die Gemeinde Krebeck bildet (ca. 1150 Einwohner - Stand 2008) der Samtgemeinde Gieboldehausen und dem Landkreis Göttingen an.

Krebeck (im Vordergrund) und Wollbrandshausen (im Hintergrund) im Mai 2010.

Die aus der Geschichte erwachsenen Stärken des Eichsfeldes, wie  Heimatverbundenheit, Verwurzelung im Glauben, Zusammengehörigkeitsgefühl, Einsatzwille, zupackende Aufgabenbewältigung und Hilfsbereitschaft, Durchhaltevermögen der Bewohner sowie dichte, tragende soziale Netzwerke, werden hier in zahlreichen privaten Aktivitäten, einer aktiven Kirchengemeinde und innerhalb eines regen und vielgestaltigen Vereinswesens noch tätig gelebt.

Wollbrandshäuser und Krebecker Bürger ziehen für Umweltschutz und mehr Energie-Autarkie nun erfolgreich an einem Strang:

Durch Installation eines ökologischen Heizsystems leistet unsere Dorfgemeinschaft einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz bzw. zur Wende des Klimawandels und ermöglicht nachfolgenden Generationen ein selbst bestimmtes, freudiges Leben in einer lebenswerten Heimat innerhalb einer unbelasteten Natur und Umwelt.

Wir wünschen uns dabei sehr, dass unsere Biogasanlage weiteren Dörfern Mut zu einem eigenen Bioenergieprojekt macht. Unser Beispiel zeigt, dass es selbst für kleinere kommunale Einheiten möglich ist, durch Bündelung ihrer dörflichen Potentiale (tragende, gut vernetzte und einsatzwillige Dorfgemeinschaft, vielfältigen Fachkenntnisse der Bewohner u.a.) Enormes zu leisten!

So haben unsere Büger z.B. ca. 1 Million € an persönlichem Geld in die Hand zu genommen für ein Bioenergieprojekt dieser Größenordnung!

Unsere Biogasanlage (Westansicht) im Oktober 2010 vor dem Panorama des Harzes (Fotograf: Tom Baerwald)

Das Bioenergieprojekt auf Basis von Biogaserzeugung besteht aus

  • 4 Fahrsilos mit insgesamt rund 11.000 m2 Silofläche
  • 1 Güllevorgrube mit 400 m3 Fassungsvermögen
  • 2 Gärstrecken mit je einem ca. 2.500 m3 Haupt- und einem ca. 2.950 m3 Nachgärungsfermenter (Summe: annähernd ca. 11.000 m3 Gärvolumen)
  • 3 Gärrestelagern mit 1 x 6.000 m3 und 2 x 3.500 m3 Fassungsvermögen
  • 1 Behälter für Sickersaft und Schmutzwasser
  • 2 Anlagen Blockheizkraftwerke (BHKW) auf Basis von Gas-Otto-Motoren
  • je 2 weiteren BHKW in den dezentral positionierten Heizzentralen in Krebeck und Wollbrandshausen mit je 1 100 m3 fassenden Pufferspeicher und je einem Spitzenlastkessel pro Standort, falls die Wärme der BHKW in der Heizperiode einmal nicht ausreicht
  • Vom Gelände der Biogasanlage aus wird das Biogas über eine insgesamt 3 km lange Mikrogasleitung zu den externen Heizzentralen in Krebeck und Wollbrandshausen weitergeleitet, wo es verbrannt wird. Von den Heizzentralen geht ein zusammengenommen ca. 10 km langes Nahwärmenetz in Form von zwei Ringleitungen aus, das Wärme in beide Ortschaften zu momentan 259 Hausanschlüssen (steigende Tendenz) liefert.

Das Nahwärmenetz


Verlegung des Nahwärmenetzes in Wollbrandshausen ...

Nahwärmenetz Wo

... und Krebeck .

Die Heizzentralen

Die Heizzentrale in Krebeck mit zwei BHKW (Zündstrahlmotoren) samt Pufferspeicher und Spitzenlastkessel südlich des Sportplatzes in Krebeck (im Mai 2010 (Ostansicht)) und ...


... die identisch ausgestattete Heizzentrale in Wollbrandshausen (dieses Foto: Tom Baerwald) im Oktober 2010 (Südansicht).

Dieses 8 Millionen Projekt wird gefördert durch

    • einen Tilgungszuschuss des Marktanreizprogrammes der KFW-Förderbank,
    • 100.000 € Fördermittel der Europäischen Union aus dem Budget der LEADER-Region Göttinger Land für die Einrichtung des Nahwärmenetzes
    • 146.400 € aus Fördermitteln für kleine und mittlere Unternehmen (KMU-Mittel) zur Anschaffung der BHKW. Dieser Beitrag wird je zur Hälfte durch den Landkreis Göttingen und den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.

 

Landrat Reinhard Schermann im Dezember 2009 im Krebecker Bürgerhaus bei der Überreichung der Förderbescheide der sog. KMU-Mittel zur Sicherung und Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen über insgesamt 470.000 € an 19 kleine und mittelständische Unternehmen. Die mit Abstand größte Fördersumme von 146.400 € erhielt die Bioenergie Wollbrandshausen-Krebeck e.G.

Aus diesem innovativen Projekt profitiert die Bürgerschaft beider Dörfer, durch

  • eine "Heizungsanlage auf Lebenszeit", um die man sich nicht mehr selbst zu kümmern braucht,
  • Einsparungen bei Wartungs- und Schornsteinfegerkosten,
  • zusätzlichen Raumgewinn im Haus (kleine Übergabestation),
  • gewonnene Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern, Diktaten der Energiegiganten und krisengeschüttelten Erdöl- und Erdgasexportländern,
  • eine wesentliche Erleichterung der Lasten, die unsere Generation unseren Kindern und Enkeln hinterlassen werden,
  • aktiv erlebbarer und tätiger Umweltschutz wird im Bewusstsein der Bewohner verankert und zeigt: "Wir können etwas verändern!"
  • eine verbesserte Umwelt- und Lebensqualität fördert die Gesunderhaltung der Bewohner,
  • elementare Bedeutung des eigenen "Wirtschaftens" durch leicht durchschaubare regionale Wirtschaftskreisläufe und aktive Teilnahme am Projekt wird erlebbar,
  • Schaffung von Arbeitsplätzen und Absatzmärkten für Bürger und Landwirte beider Orte des Bürgerenergieprojektes,
  • eine enorme Stärkung der Dorfgemeinschaften (Zusammenhalt, Identität)
  • eine neue, sehr starke Vernetzung der Potentiale und sozialen Netzwerke beider Bioenergie-Partner von hoher Intensität und Qualität sowie
  • die erhöhte Attraktivität unserer Dörfer.

Aber nicht nur unsere Dörfer profitieren aus der Bioenergienutzung, sondern auch die gesamte Region:

  • Die Wertschöpfung fließt nicht an Großkonzerne ab, sondern verbleibt in der Region.
  • Die regionale Landwirtschaft wird gestärkt, indem vor Ort neue Absatzmärkte und Beschäftigungsfelder für Landwirte geschaffen werden. So haben 32 Landwirte aus der Region im vergangenen Sommer die Fahrsilos bis zum Rand mit ca. 70 % Hächselmais und ca. 30 % Pflanzen zur Grünpflanzensilage (GPS) gut befüllt. Im Umfeld um die Biogasanlage werden 500-600 ha Ackerfläche für die Biomasseproduktion in Anspruch genommen. Das entspricht ungefähr 5 % der Fläche des gesamten Areals. Die größere Wetterunabhängigkeit und Variabilität der Erntezeiten entlastet die Landwirte außerdem ("Ernteentzerrung").

8000 Tonnen Häckselmais sind bereits angeliefert worden.
Quelle: Tietzek, Göttinger Tageblatt, "Aus Häckselmais wird Strom und Wärme", 23.09.2009

  • Es sind sichere Arbeitsplätze geschaffen worden.
  • Der im Vergleich zu den Stadtgebieten zumeist strukturschwächere ländliche Raum wird gestärkt.
  • Die Konzentration von Technologiewissen auf dem Gebiet der Bioenergie erhöht die regionale Wertschöpfung. Dies führt zur Erschließung neuer Wirtschaftsbereiche.

Darüber hinaus

  • bietet das großzügig bemessene und direkt an die B27 angebundene Gelände im Umfeld der Biogasanlage interessante Perspektiven für die Ansiedlung weiterer, symbiotischer Industriebetriebe und fördert damit die Schaffung weiterer Arbeitsplätze in der Region.

Viel Platz für weitere Industrieansiedlungen neben dem direkt an der B27 gelegenen Gelände der Biogasanlage der Bioenergiegenossenschaft Wollbrandshausen-Krebeck eG.

Übrigens:

Aktuelles Geschehen: Lesen Sie die Berichte zur Bioenergiedörfer-Tagung: "Die Bioenergiedörfer-Tagung 2010 war hier bei uns in Krebeck" Folgen 1-4 unter der Rubrik "Aktuelles"!

Die Biogasanlage wurde am Samstag, den 30.10.2010 feierlich eingeweiht! Lesen Sie den Bericht zur Einweihung unter der Rubrik "Aktuelles"!

Seit dem 18. Februar 2011 erbringt unsere Biogasanlage mit dem zweiten Gas-Ottomotor eine Gesamtleistung von ca. 1.700 kW el. Lesen Sie den Bericht darüber unter "Aktuelles"!

awiso 18. Mai 2010
angepasst: 23.02.2011